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Patienteninformation

Was ist interventionelle Radiologie?
Was macht ein interventioneller Radiologe?
Die Geschichte der interventionellen Radiologie (IR)
Vorteile interventionell-radiologischer Behandlungsmethoden
Interventionelle Radiologen: ein lang gehütetes medizinisches Geheimnis
Bildgebende Verfahren 

Was ist interventionelle Radiologie? {#wasist#}
 
Die Interventionelle Radiologie nutzt bildgebende Verfahren für die Behandlung von Patienten. Interventionell-radiologische Techniken können in einigen Fällen chirurgische Eingriffe ersetzen, wodurch der Patient einem geringeren Risiko ausgesetzt wird und sich der nötige Krankenhausaufenthalt auf ein Minimum reduziert.
 
Die interventionelle Radiologie, eine seit Mitte der Siebzigerjahre immer wichtiger werdende  Subspezialität der Radiologie, hat in den letzten Jahrzehnten zu einigen der wichtigsten medizinischen Errungenschaften beigetragen. So waren es zum Beispiel interventionelle Radiologen, die die Angioplastie und den ersten mit einem Katheter eingesetzten Stent entwickelten. Diese Art von Stent wurde zu Beginn bei Patienten mit Gefäßerkrankungen in den Beinen eingesetzt, womit eine Amputation oder andere operative Eingriffe umgangen werden konnten. Errungenschaften dieser Art bereiteten den Weg für modernste Behandlungsmethoden, wie sie in der heutigen Medizin Gang und Gebe sind.
 
Was macht ein interventioneller Radiologe?{#wasmacht#}
 
Interventionelle Radiologen sind Fachärzte der Radiologie, sind also auf die Diagnosenstellung mit Hilfe von Röntgenbildern, Ultraschalls, Computertomographien und anderen bildgebenden Verfahren spezialisiert.
Ihr Fachwissen über bildgebende Verfahren ermöglicht es ihnen, millimeterdünne Katheter und Führungsdrähte in Blutgefäße oder andere Gangsysteme einzuführen, um dort verschiedene Leiden zu behandeln.
 
Aufgrund der nur winzigen Einschnitte in der Haut, durch die diese Eingriffe durchgeführt werden, wird die interventionelle Radiologie auch als „Nadellochchirurgie“ bezeichnet. Dem Patienten bietet sie zahlreiche Vorteile: geringere Risiken, weniger Schmerzen und schnellere Erholung nach dem Eingriff. Abgesehen davon ist meist keine Vollnarkose nötig.
 
Die interventionelle Radiologie ist heute eine der dynamischsten medizinischen Fachgebiete, da IR Spezialisten es immer wieder schaffen, bewährte Techniken an neue Problemstellungen anzupassen. Vor einigen Jahren forschten sie zum Beispiel an potentiellen Methoden, Radiowellen an nicht inoperablen Lebertumoren anzuwenden, um diese mit Hilfe der entstehenden Hitze zu zerstören. Heute können sie nicht nur enorme Erfolge in der Bekämpfung von Lebertumoren verzeichnen, sondern wenden diese Technik auch für Nieren-, Brust- und andere Krebsarten an.
 
Auch was die Sicherheit minimal invasiver Chirurgie betrifft, waren interventionelle Radiologen maßgeblich an der Festlegung qualitativer Standards beteiligt, da die Behandlungsmethoden von Fachärzten mit fundiertem Wissen in diagnostischer Radiologie durchgeführt werden. Zusätzlich wurde die Sicherheit der Patienten stark in die Weiterentwicklung dieser Errungenschaften integriert, da Strahlenschutz, Strahlenphysik, das Studium der biologischen Auswirkungen von Strahlungen und Verletzungsvorbeugung schon seit jeher Teil der Lehrpläne für interventionelle Radiologie und diagnostische Radiologie sind.
 
Die Geschichte der interventionellen Radiologie {#geschichte#}
 
Die Geschichte der interventionellen Radiologie ist die Geschichte von Pionieren des medizinischen Fortschritts, die die Ausübung der Medizin nachhaltig verändert und damit die Lebensqualität unzähliger Patienten verbessert haben. Die interventionelle Radiologie entstand Mitte der Siebzigerjahre, als neue bildgebende Verfahren die ersten gezielten, minimal invasiven Eingriffe ermöglichten.
Interventionell-radiologische Behandlungsmethoden stellen einen enormen Fortschritt in der Medizin dar, da sie große chirurgische Eingriffe erübrigen, ein geringeres Risiko für den Patienten darstellen, weniger Schmerzen verursachen und sich die Patienten danach schneller erholen als nach offenen Operationen. Interventionellen Radiologen verdanken wir die Angioplastie und den ersten durch einen Katheter eingeführten Stent – beides modernste Behandlungsmethoden, die heute allgemein anerkannt sind.
 
Vorteile interventionell-radiologischer Behandlungsmethoden: {#vorteile#}
  • Für die meisten Eingriffe ist lediglich ein kurzer Krankenhausaufenthalt notwendig
  • Meistens ist keine Vollnarkose notwendig
  • Risiko, Schmerzen und benötigte Erholzeit sind geringer als bei herkömmlichen chirurgischen Eingriffen
 
Interventionelle Radiologen: ein lang gehütetes medizinisches Geheimnis {#geheimnis#}
 
Moderne, minimal invasive Behandlungsmethoden können bei vielen gesundheitlichen Leiden angewandt werden, aber nur wenige Patienten wissen über diese Möglichkeiten Bescheid und nur selten wird eine zweite Meinung von einem interventionellen Radiologen eingeholt.
 
Bildgebende Verfahren erlauben gezielte Behandlung {#bild#}
 
Interventionelle Radiologen nutzen ihr Fachwissen, um eine große Bandbreite von Krankheiten zu behandeln. Durch die Verbindung ihres Wissens im Bereich bildgebende Diagnostik und ihren manuellen Fertigkeiten können sie bildgesteuerte Behandlungsmethoden durchführen, die in vielen Fällen chirurgische Eingriffe ersetzen können und den Patienten einem geringeren Risiko, weniger Schmerzen und einer kürzeren Konvaleszenz aussetzen.
 
Bildgesteuerte Verfahren
 
Angiographie:
Angiographie ist eine Untersuchungsmethode, bei der Arterien oder Venen nach dem Injizieren eines Kontrastmittels (einer Flüssigkeit, die auf den entstehenden Röntgenbildern sichtbar ist) in Echtzeit geröntgt werden, wodurch das Innere der Blutgefäße sichtbar gemacht wird und Verstopfungen und andere Gefäßerkrankungen erkannt werden können.
 
Die Angiographie ist das am häufigsten angewandte Verfahren bei bildgesteuerten Behandlungen im Blutsystem. Es wird unter anderen bei Angioplastie, dem Einsetzen von Stents, Embolisation (Verschließen von Blutgefäßen), thrombolytischer Therapie (Auflösen von Blutgerinnseln) und gezielter Verabreichung von Chemotherapie verwendet.
 
Computertomographische Angiographie (CTA):
CTA ist eine Röntgenmethode, die detaillierte Querschnittsaufnahmen des Körpergewebes liefert, nachdem dem Patienten intravenöses Kontrastmittel verabreicht wurde, das die Arterien und Venen sichtbar macht. Mit den bei einer CTA entstehenden Querschnittsaufnahmen kann ein dreidimensionales Bild der Blutgefäße erstellt werden. Dank dieses so genannten CT Angiogramms muss oft kein herkömmliches Angiogramm gemacht werden, um festzustellen, ob bei einem Patienten mit Arterien- oder Venenverschluss eine Angioplastie oder das Einsetzen eines Stents anzuraten ist.
 
Magnetresonanzangiographie (MRA):
Bei einer MRA werden mit Hilfe von Radiowellen Bilder der Arterien und Venen des Patienten gemacht, der sich zu diesem Zweck in ein magnetisches Feld begibt. Die MRA ist eine bildgebende Methode für Blutgefäße und zeichnet sich besonders durch ihre hohe Sicherheit aus, da sie nicht invasiv ist, keine Strahlung gebraucht und auch bei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion angewandt werden kann. Sie wird jedoch kaum als bildgebende Methode in Echtzeit zur Steuerung von Eingriffen angewandt.
 
Ultraschall:
Zur Erstellung eines Ultraschallbildes werden für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Schallwellen von einer Sonde ausgesandt. Diese werden von den inneren Organen reflektiert und wieder von der Sonde aufgenommen. Mit Hilfe der reflektierten Schallwellen wird ein zweidimensionales Bild erstellt, ähnlich wie es in U-Booten das SONAR System tut.
 
Ultraschall lässt Ärzte ohne Strahlung in den Körper sehen und ist oft die erste Methode, die angewandt wird, um Gefäßverengungen und Aneurysmen zu untersuchen. Außerdem dient es als Pfadfindertechnik für zahlreiche interventionell-radiologische Eingriffe wie Biopsien, Abszessdrainagen und Tumorablationen.
CIRSE dankt der amerikanischen Gesellschaft für interventionelle Radiologie (SIR) für ihre freundliche Unterstützung und die Erlaubnis, ihr wissenschaftliches Material zu verwenden. Das von der SIR zur Verfügung gestellte Material wurde für diese Website von CIRSE überarbeitet.