Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPSS)
Was ist TIPSS? {#ist#}
Am besten kann man den TIPSS beschreiben, indem man erklärt, wofür die einzelnen Buchstaben stehen.
T steht für transjugulär, was bedeutet, dass ein Radiologe in die Halsvene des unter Vollnarkose stehenden Patienten die notwendigen Instrumente einführt. Die Halsvene wird mit einer dünnen, hohlen Nadel punktiert, durch die dann ein dünner Draht geschoben wird, bis er die Lebervenen erreicht. Der Draht dient dem Radiologen dann zum Einführen eines dünnen Plastikschlauchs (Katheter), der ungefähr wie ein langes Spaghetti aussieht.
I steht für intrahepatisch (innerhalb der Leber). Der Katheter, den der Radiologe in den Körper eingeführt hat, wird durch eine der Lebervenen direkt in die Leber geführt. Danach entfernt der Radiologe den Katheter und führt eine lange, gebogene Nadel ein.
PS steht für portosystemisch. Die lange Nadel wird von der Lebervene (systemische Vene) in die daneben liegende Pfortader (Portalvene) geschoben, die durch die Leberkrankheit verstopft ist. Durch die Verengung kommt es in diesem Teil des Blutkreislaufs zu hohem Blutdruck, der mit Hilfe des Eingriffs gesenkt werden soll.
S steht für Shunt (eine künstlich angelegte Verbindung zwischen zwei Gefäßen). Ist die Nadel einmal durch die Lebervene und die Pfortader geschoben, wird ein Draht durch die Nadel geleitet und diese dann entfernt. Über diesen Draht führt der Radiologe dann einen so genannten Stent (eine Art Metallröhrchen) ein. Danach wird der Stent aufgeweitet, um eine angemessen große Verbindung zwischen den beiden Venen zu schaffen. Dadurch kann Blut von der mit zu hohem Blutdruck behafteten Pfortader in die Lebervene fließen, wo ein niedrigerer Blutdruck herrscht; hierdurch wird das Problem des zu hohen Blutdrucks in der Pfortader erst verringert und schließlich gelöst.
Welche Krankheiten werden mit einem TIPSS behandelt? {#behandelt#}
In der Regel werden die im Blut zirkulierenden Nährstoffe vom Darm aufgenommen und über die Blutgefäße zur Leber gebracht. Das größte dieser Gefäße ist die Pfortader. Sind die Nährstoffe einmal in der Leber, können sie gespeichert und später verwendet werden. Die Leber filtert abgesehen davon Abfallprodukte aus dem Blut. Eine Gefäßverengung in der Leber führt dazu, dass sich das Blut staut, wodurch der Blutdruck in der Pfortader steigt. Aus diesem Grund können sich zusätzliche Venen im Bauch heranbilden, ähnlich wie Krampfadern, die in den Magen oder die Speiseröhre bluten können. Dadurch kann es sein, dass der Patient Blut erbricht oder sich Flüssigkeit in seinem Bauch ansammelt.
Wenn alle anderen Versuche, die Blutungen zu stoppen oder den zu hohen Blutdruck in der Pfortader zu senken, erfolglos waren, können Chirurgen eine offene Operation durchführen, um Blut von der Pfortader abzuleiten und somit den Druck zu senken. Mit dieser Art der Operation erreicht man dieselben Ergebnisse wie mit der Einsetzung eines TIPSS, wobei die offene Operation als wesentlich gefährlicher erachtet wird als ein TIPSS. Möglicherweise kann für den Patienten auch eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden.
Welche Risiken und möglichen Komplikationen gibt es? {#gibt#}
Das Einsetzen eines TIPSS ist ein äußerst komplizierter, dabei im Allgemeinen aber sehr sicherer Eingriff. Der Patient wird während des gesamten Vorgangs von einem erfahrenen Anästhesiologen oder einem Radiologen sowie dem restlichen Team überwacht. Trotzdem gibt es einige Risiken und kann es wie bei jeder ärztlichen Behandlung zu Komplikationen kommen. Das größte Problem ist, daß der Stent möglicherweise nicht zwischen den beiden Venen angebracht werden kann. Manchmal ist die Leber durch ihre Erkrankung so verhärtet, dass die Nadel nicht durchgeführt werden kann. Ist dies der Fall, ist eine offene Operation möglicherweise unumgänglich.
In manchen Fällen kann es trotz der erfolgreichen Platzierung des TIPSS zu weiteren Blutungen kommen, da der hohe Blutdruck in der Pfortader dazu geführt hat, dass Venen leicht reißen. Ist das der Fall, muss der Patient zurück in die radiologische Abteilung, damit diese Venen durch kleine Metallspiralen embolisiert, d.h. „verstopft“ werden. Dabei handelt es sich jedoch um einen relativ kleinen Eingriff, für den keine Vollnarkose durchgeführt werden muss.
Da bei Gelbsuchtpatienten häufig Störungen der Blutgerinnung auftreten, kann es zu Blutungen an den Stellen der Leber kommen, an denen die Nadel durch die zwei Venen geführt wurde. In sehr seltenen Fällen muss eine Bluttransfusion durchgeführt werden. Hält die Blutung an, muss das blutende Gefäß unter Umständen verschlossen werden. Dabei handelt es sich wie bereits erwähnt um ein sehr einfaches Verfahren, das ohne Vollnarkose durchgeführt werden kann. Es kann auch vorkommen, dass an der Eintrittsstelle am Hals ein blauer Fleck entsteht, der vielleicht für ein bis zwei Tage leicht schmerzt.
Wie erwähnt filtert die Leber Abfallprodukte aus dem Blutkreislauf. Wird zu viel Blut an der Leber vorbeigeleitet, können diese Abfallprodukte im Blut verbleiben, was beim Patienten zu Verwirrungszuständen führen kann. In einem derartigen Fall kann es nötig werden, dass der Patient eine spezielle Diät einhalten muss. In besonders schweren Fällen kann es notwendig werden, dass der TIPSS absichtlich wieder blockiert werden muss.
Wie bereite ich mich auf einen TIPSS vor? {#bereite#}
Sie werden für den Eingriff stationär aufgenommen. Man wird Sie darum bitten, einige Stunden vor dem Eingriff nichts zu essen. Es wird Ihnen unter Umständen ein Beruhigungsmittel verabreichet werden, gemeinsam mit einem Antibiotikum. Falls Sie Allergien haben oder je allergisch auf ein intravenöses Kontrastmittel reagiert haben, das für Nierenröntgen und Computertomographien verwendet wird, müssen Sie Ihren Arzt unbedingt davon in Kenntnis setzen.
Wie funktioniert ein TIPSS? {#funktioniert#}
TIPSS werden von Interventionellen Radiologen eingesetzt. Interventionelle Radiologen sind speziell für den Umgang mit Röntgen- und anderen Untersuchungsgeräten ausgebildet. Des Weiteren sind sie auf die Interpretation der dabei entstehenden Bilder spezialisiert, mit denen der Eingriff geplant und durchgeführt werden kann.
Der Eingriff findet in einem eigens dafür eingerichteten Untersuchungsraum der radiologischen Abteilung statt.
Die genaue Technik kann leicht variiert werden, läuft aber im Allgemeinen folgendermaßen ab: Man wird Sie in einem Krankenbett in die radiologische Abteilung bringen. Danach wird man eine Nadel in eine Ihrer Arm- oder Handvenen einführen, um intravenös Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreichen zu können. Ist diese Nadel einmal in der Vene, verursacht sie keine Schmerzen. Sie werden dann vom Anästhesisten narkotisiert werden. Haben sich Ihre Ärzte zu keiner Vollnarkose entschlossen, soll Sie das nicht beunruhigen. Ein Anästhesist, der Radiologe oder ein anderes Mitglied des Operationsteams wird sicherstellen, dass Sie so stark betäubt sind, dass Sie keine Schmerzen spüren und während des Eingriffs schlafen.
Während Sie unter Narkose stehen, wird man Sie ständig überwachen und Ihnen eventuell Sauerstoff verabreichen. Man wird die Haut an Ihrem Hals mit einer antiseptischen Flüssigkeit reinigen und den Rest Ihres Körpers mit sterilen Tüchern abdecken. Nach dem Eingriff in Vollnarkose werden Sie im Wachsaal beobachtet und zu sich kommen. Die Stelle, an der man während des Eingriffs eine Nadel in Ihren Hals eingeführt hat, kann unter Umständen etwas schmerzen.
Was spürt man während des Eingriffs? {#spuert#}
Falls Ihnen eine Vollnarkose verabreicht wird, sollten Sie abgesehen von der dünnen Nadel an Ihrem Handrücken nichts spüren und sich nicht an den Eingriff erinnern können. Genauso wenig sollten Sie Schmerzen verspüren, wenn man sie nur sediert. Ein Mitglied des Pflegepersonals wird bei Ihnen sein, wenn Sie aufwachen. Sagen Sie Bescheid, falls Sie Schmerzen haben, damit man Ihnen über die Nadel in ihrer Hand ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel verabreicht.
Was passiert nach dem Eingriff? {#passiert#}
Wie schon erwähnt werden Sie nach einer Vollnarkose im Aufwachsaal aufwachen. Danach werden Sie auf einem Krankenbett auf Ihre Station gebracht. Das Pflegepersonal auf Ihrer Station wird routinemäßige Untersuchungen, wie Puls- und Blutdruckmessungen durchführen, um sicherzugehen, dass keine ungewünschten Nebeneffekte vorliegen. Sie werden einige Stunden liegen bleiben müssen. Nachdem Sie sich vom Eingriff erholt haben, werden Sie sich vermutlich genauso fühlen wie zuvor, abgesehen davon, dass die Blutungen, die Teil Ihres Problems waren, aufgehört haben bzw. die Flüssigkeit in ihrem Bauch beginnt sich abzubauen. Es kann sein, dass man Ihnen zu einer speziellen eiweiß- und salzarmen Diät rät. In diesem Fall ist es anzuraten, dass Sie einen Diätassistenten konsultieren. Man wird Ihnen des Weiteren von Alkoholgenuss abraten.
Was muss ich nach der Einsetzung eines TIPSS beachten? {#beachten#}
Der Stent, den der Radiologe zwischen Ihrer Lebervene und Pfortader eingesetzt hat, wird dort für den Rest Ihres Lebens bleiben. Er kann sich jedoch verschließen, weshalb Sie regelmäßig zur Ultraschalluntersuchung kommen sollten. Mithilfe eines Ultraschallgeräts kann Ihr Radiologe feststellen, ob Ihr TIPSS verstopft ist. Ist dies einmal der Fall, wird man Sie für einen Tag auf der radiologischen Abteilung aufnehmen und die Verstopfung durch einen einfachen Eingriff lösen. Für diese Behandlungsmethode ist keine Vollnarkose nötig. Falls Sie auf eine Lebertransplantation warten, müssen Sie bis mindestens alle fünf Jahre Ihren TIPPS überprüfen lassen.